Blogbeitrag

01 | 02 | 2010

IProD

Geschrieben von Sönke C. Skär um 14:13 Uhr

Das IProD verabschiedet sich

Das IProD als Institut für Projektentwicklung und Angewandte Bauforschung in der Denkmalpflege wird nach 10 Jahren seines Bestehens zum Beginn des Wintersemesters 2010/11 seine Aktivität einstellen. In diesen zehn Jahren seit seiner Gründung auf der Leipziger Denkmalmesse haben sich die gesellschaftlichen, politischen und institutionellen Rahmenbedingungen für die denkmalpflegerische Projektarbeit erheblich verändert.

Die staatlichen Institutionen wurden in dieser Zeit entscheidend geschwächt, ihr finanzieller Spielraum beschnitten. In einer Anfangsphase dieser Entwicklung konnte das IProD vom outsourcing denkmalpflegerischer Leistungen noch profitieren. Inzwischen ist die Haushaltslage in diesem politisch zunehmend kontrovers diskutierten Kulturbereich katastrophal. Gerade wurde das ohnehin unbedeutende Budget der Mainzer Denkmalpflege erneut um ein Drittel gekürzt. Das IProD erfährt seit zwei Jahren auf diesem enger werdenden Markt eine immer geringere Neigung seitens potentieller Auftraggeber in den Landesdenkmalämtern ebenso wie privater Eigentümer, Drittmittelprojekte mit der Hochschule zu vereinbaren. Große Forschungsmittel waren für dieses Profil schon länger nicht mehr zu akquirieren. Mit der Publikation DOMrekonstruktionen als Sonderheft des FH-Forum und Forschungsbericht zur mehrjährigen Kampagne am Mainzer Dom (das FH Forum berichtete darüber) verabschiedet sich das IProD. Auf der Leipziger Denkmalmesse im November 2011 wird Rückschau auf zehn erfolgreiche Jahre gehalten.

Die Lehreinheit Architektur stellt sich neu auf

Diesem veränderten gesellschaftlichen Umfeld entspricht die Neuausrichtung der Lehreinheit Architektur mit ihrem Bachelor8 und Master2-Profil. Der frühere Schwerpunkt Altbauinstandsetzung – Denkmalpflege des Diplomstudiengangs wurde abgebaut zugunsten eines neuen Profils im Masterstudiengang „Wohnbau und Bestandsentwicklung“, der sich dem in der Öffentlichkeit ungeliebten Nachkriegs-Wohnbau der 1960er und 1970er Jahre widmet und dort Entwicklungsschwerpunkte setzt, die im gesellschaftlichen Wandel zukunftsfähig sind. Im Masterstudiengang Immobilien-Projektmanagement werden die wirtschaftlichen Potentiale und Chancen auf dem Immobilienmarkt ausgelotet. Der Bachelor-Studiengang mit seinem 8-semestrigen berufsbefähigenden Profil orientiert sich am Bedarf des regionalen Markts, der anwendungsorientierte und praktisch ausgebildete Ingenieure für die Realisierung von Bauprojekten sucht. Deshalb liegt dort die Aufmerksamkeit auf einer soliden baukonstruktiven Ausbildung, die gestalterische Bezüge integriert, ihren Schwerpunkt aber in der Bautechnik, Bautechnologie und im Tragwerk sieht. Der Aspekt der Altbauinstandsetzung und des Bauens im Bestand orientiert sich in diesem grundständigen Studiengang nicht vorrangig an Denkmalobjekten, sondern am „normalen“ Baubestand des 19. und 20. Jahrhunderts, der uns massenhaft umgibt. Für die Architektenausbildung in Mainz ist insbesondere das Duale Studienmodell des P-Studiums profilbildend, in dem Studierende drei Jahre während ihrer Ausbildung in einem Büro tätig sind und dort vielfältige Praxiserfahrung erwerben.

Aufgaben des Instituts mit breiter inhaltlicher Ausrichtung

Mit der engen Spezialisierung auf die Denkmalpflege lassen sich unter den oben aufgeführten Rahmenbedingungen nicht mehr genügend Aufträge akquirieren, um die Struktur und das Personal eines Instituts in der Größe des IProD frei zu finanzieren. Als eines von vier Sachgebieten wird die dort erarbeitete Kernkompetenz für Denkmalschutzfragen jedoch ins neue Institut ai-mainz eingebracht. Sie wird aber nicht mehr die allein tragende Säule darstellen. Andere Disziplinen treten hinzu, die die ganze Breite des Architekturstudiums in Mainz abbilden und reaktionsfähig auf veränderte Auftragslagen Partnerschaften eingehen.

Das Kollegium der Lehreinheit Architektur setzt darauf, in Außenkontakten vielfältige Forschungs- und Entwicklungspotentiale auszubilden, die alle Kompetenzen des Kollegiums ansprechen und das neue ai-mainz als Architekturinstitut in der Region verankern. Die Außendarstellung der Mainzer Architektenausbildung mit ihrer technischen Orientierung soll innerhalb dieser neu konzipierten Einrichtung stärker als bisher in Erscheinung treten. Die breite Aufstellung bietet dem gesamten Kollegium die Möglichkeit zur Mitwirkung und gestattet vielfältige Hochschulkooperationen innerhalb und außerhalb des Fachbereichs.

Zudem bereitet das ai-mainz Jahresprojekte der beiden Architektur-Masterstudiengänge vor und sorgt für deren Publikation. Im Interesse einer verstärkten Internationalisierung des Bachelor-Studiums im Bachelor+ Programms bietet das Institut ausländischen Studierenden Praxisplätze und die Möglichkeit zur projektbezogenen Mitarbeit. Es koordiniert den internationalen Austausch mit Dozenten der Partnerhochschulen und organisiert „study & work“ – Praxisplätze für deutsche Erasmus-Studierende im Ausland. Um mit diesen Aktivitäten drittmittelfähig zu sein, ist eine möglichst breite inhaltliche Ausrichtung erforderlich.

Ausstattung und Personal des ai-mainz

In der Gründungsphase wird das Institut von zwei Professorinnen bzw. Professoren mit einer halben wiss. Mitarbeiterstelle, einer Stelle im dualen Bachelor-P-Studium und mit stud. Hilfskräften bzw. Praxisstudierenden geführt. Das ai-mainz übernimmt die technische Ausrüstung und die Räume des IProD im ehem. Caritashaus. Bei erfolgreicher Einwerbung von Drittmitteln in den unterschiedlichen Sachgebieten soll der Personalbestand auf zwei wiss. Mitarbeiter und zwei P-Studierende ausgebaut werden. Der Einsatz von Mitarbeiterinnnen und Mitarbeitern des ai-mainz für Aufgaben im Lehrbetrieb der Architektur wird als Möglichkeit zur Qualifizierung in der Lehre vorgesehen. Das Institut lebt aus den Aktivitäten der Professorinnen und Professoren der Lehreinheit Architektur.

Letzte Änderung am: 8. Juni 2016

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