Blogbeitrag

01 | 01 | 2012

Zeichenkurs in ROM – Kalender für 2012

Geschrieben von ai-mainz um 16:52 Uhr

Zum dritten Mal in Rom – das könnte der Anfang einer Reihe werden. Und doch war es diesmal anders als zuvor: Vier Zeichenlehrer, unterwegs mit 22 Studierenden in einem Verhältnis von 1 : 5  also, nur selten können wir dies im Studium so realisieren. Es gab weniger Baugeschichte – Regina Stephan konnte nicht dabei sein – dafür mehr Zeichnen, in Sermoneta und den lepinischen Bergen – aber vor allem in Rom.

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Marc Grief, der nach langen Jahren der Abstinenz sein Skizzenbuch wieder auspackte, bewies es: Zeichnen ist wie Fahrradfahren oder Skifahren. Wer es einmal sicher beherrscht hat verliert vielleicht ein wenig Übung und Routine, aber nicht die Fähigkeit, sofort wieder „auf der Piste“ zu sein – eine Ermutigung für den Anfänger.

Ondrej Kramar, Architekt aus Darmstadt, Aquarellierer und skribbelnder Sucher der Gesichter und Physiognomien, brachte Handwerkliches ein, das wir im Zeichenkurs des 1. und 2. Semesters bisher wenig unterbringen: Die Farbe. Er zeigte allen, daß sich auch aus dem Pigment eines Espresso wundervolle Impressionen zaubern lassen.

Vier Zeichenlehrer im Colosseum

Ondrej Kramar, Rolf Hennes, Marc Grief, Emil Hädler

Rolf Hennes, Architekt und Regierungsbaumeister a.D., nach seinen Dienstjahren ein suchender Künstler mit vielen Ausstellungen, machte vor, wie sehr die klassische Architektenskizze doch viele Facetten der Entwicklung bereit hält, der assoziativen Annäherung an das Fremde. Seine überraschend grellen Farbakzente in der Schwarz-Weißen Zeichnung, seine Rahmungen waren neue Elemente, die mancher gern mal ausprobierte.

Emil Hädler, den Studierenden bekannt aus den Grundkursen der ersten beiden Semester, trieb an zur Eile, zur schnellen Skizze, dem Mut zum Flüchtigen, schnell Hingeworfenen, zur Notiz mit Text und Bild. Mit dem Fahrrad durch das römische Chaos blieb nicht immer viel Zeit vor einem Motiv. Jederzeit Aufhören können und doch eine persönliche Botschaft mitnehmen war beim Schnell-Zeichnen das Ziel.

Zeichnen als Schule des Sehens eignet sich besonders dafür, eine noch fremde Stadt zu erkunden. Die meisten Studierenden waren zum ersten Mal da, vorbereitet durch Reiseführer und historische Reiseliteratur, verteilt nach Stadtquartieren, die es zu entdecken galt. So ist ein persönlicher „Reader“ für die Romreise entstanden, ein langsames Sich-Vortasten hinein in diese ewige Stadt, die sich dennoch ständig wandelt und heutigen Zeitgeist mit dem Hauch der Jahrhunderte in Einklang bringt. Die Unsicherheit der tastenden Skizze gibt authentischer den suchenden Besucher wieder als das Foto, das – im eiligen Vorbeigehen geknippst – den Genius Loci, den „Geist des Orts“ raubt – ohne ihn doch je zu erreichen.

Der Zeichner verbraucht nicht den Ort, er haucht ihm eigenen Geist ein und nimmt ihn unvergänglich in das Gedächtnis auf. Das unterscheidet ihn vom Touristen, der sein Bild mitnimmt und erst zuhause sieht, was er – vielleicht – hätte sehen können, wenn er gesehen hätte. Vor uns waren da Piranesi, Goethe, Lord Byron. Jetzt sind wir da – suchend und staunend wie sie und im Geiste verwandt.

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Letzte Änderung am: 27. Mai 2016

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