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08 | 02 | 2012

Wohnbestandsentwicklung

Geschrieben von ai-mainz

Das Jahresprojekt

Das Jahresprojekt nimmt im Masterstudiengang eine zentrale Rolle ein. Hier werden themenbezogene Lernsituationen bei der Mitarbeit an Projekten gefördert, die jeweils in Kooperation mit ausgewählten Projektpartnern der Wohnungswirtschaft und Wohnungspolitik, der Wohnbaugesellschaften, Projektentwicklern und kommunalen Verbänden als zentrale Projekte aufgelegt werden.
Die themenübergreifende und ganzheitliche Betrachtung einer Projektes ist als Reaktion auf inhaltliche Erweiterungen der Wohnthemen zu verstehen. Mit dieser stärker anwendungsorientierten Gestaltung der Ausbildung verbinden sich weitere Lernziele wie die Profilierung des Fachwissens, die Verstärkung der methodischen Kompetenz und die Erlangung von Problemlösungsfähigkeiten mit der Fähigkeit der Integration weiterer für die Wohnbauentwicklung relevanter Fachdisziplinen.
Das Projekt dient als inhaltlicher Rahmen für eine Vielzahl von Themenfeldern, die im Verlauf der beiden Master-Semester im Zusammenhang mit weiteren Modulen behandelt werden. Insofern werden durch diese integrierte Behandlung eines Planungsthemas eine Fülle übergeordneter und auf weitere Fragestellungen im Wohnbau übertragbare Ergebnisse abgeleitet.

Pilotstudie

Das Jahresprojekt 2011/12wird als Modellversuch in Zusammenarbeit des Landes Rheinland-Pfalz , der SGD Nord (Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord), der GDKE Rheinland-Pfalz (Generaldirektion Kulturelles Erbe RLP) als Pilotstudie vom Innenministerium RLP und der Stadt Oberwesel gefördert.
Die Bearbeitung wird realisiert durch das Architekturinstitut Mainz (ai-mainz, ehem. IProD) und den Masterstudiengang Architektur.Wohnungsbau. Im WS 2010/11 wurden bereits die Grundlagenermittlungen durch den BA-Studiengang erbracht. Die Leistungsbestandteile sind Bauaufnahme zur Erstellung eines Keller- und Erdgeschosskatasters, Erstellen des Planwerks für Leerstandsobjekte, Potentialstudie Leerstandsobjekte sowie Aussagen und Festlegungen zur Stadtbaugeschichte und zum Städtebaulichen Denkmalschutz Nach dieser Grundlagenermittlung durch den BA-Studiengang setzt im WS 2011/12 das Jahresprojekt des MA-Studiengangs ein, das nachfolgend näher beschrieben wird.
Auch in dieser Bearbeitungsphase ist eine enge aktive Beteiligung und Information der Öffentlichkeit in Form von Präsentationen, Foren und Workshops vorgesehen.

Ergebnisse

Eine Dokumentation mit der möglichen exemplarischen Übertragbarkeit der Ergebnisse der Pilotstudie für vergleichbare Mittelrheinstädte- und gemeinden schließen im Herbst 2012 das Projekt ab.

Situation

Die Stadt Oberwesel liegt im Oberen Mittelrheintal im Bereich des so genannten Rheinengtals. Die Nachbarorte Bacharach und St. Goar linksrheinisch, sowie St. Goarshausen und Kaub rechtsrheinisch bilden die Gruppe der Loreleystädte. Die Kernstadt von Oberwesel wird erweitert durch die Stadtteile Dellhofen, Landscheid und Engehöll. Rund 3.000 Einwohner verteilen sich auf einer Fläche von ca. 1800 ha.
Im vorhandenen Stadtbild sind die mittelalterlichen Strukturen außerordentlich gut erhalten und gut ablesbar, was durch mehrere ausgewiesenen Denkmalzonen wie „Stadtkern“, „Schönburg“, „Jüdischer Friedhof“ und zahlreiche Einzeldenkmäler manifestiert wird. Eine in weiten Teilen erhaltene Stadtmauer mit 16 Türmen, erbaut kurz nach 1200 und erhöht in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, umgibt die Altstadt. Die Vorstadt Niederburg wurde in der ersten Hälfte des 14.Jhdts., die Vorstadt Kirchhausen hundert Jahre später in den Stadtmauerring mit einbezogen. Die alte Hauptstraße verlief hochwasserfrei von der Liebfrauenkirche zum Engenhöller Bach, am Heumarkt ansteigend nach St. Martin und talwärts zum Koblenzer Tor, bis heute ablesbar im Bereich der Kirchstraße. Die neue geradlinige Hauptstraße, die Liebfrauenstraße, wurde im Auftrag der preußischen Verwaltung 1828-30 gebaut, gut erkennbar an dem Gebäude Rathausstraße 16, das aufgrund des früheren Erbauungsdatums aus deren Flucht ausbricht. Aufgrund ihrer reichen Überlieferung und der sie umgebenden Kulturlandschaft trägt die Stadt den Titel „Stadt der Türme und des Weines“.
Das Stadtbild wird markant überragt von mehreren bedeutenden Gebäuden wie der Schönburg, den die Altstadt flankierenden Pfarrkirchen St. Martin und Liebfrauen sowie der Ruine der Kirche des ehemals im Zentrum liegenden Minoritenklosters.

Aus diesem gewachsenen Ensemble brechen auffällig das 1972 errichtetet Schulzentrum sowie das dreifach erweiterte Krankenhaus an der Wernerkapelle heraus. Seit den 1970er-Jahren lagern sich um die Stadt Gewerbegebiete, Discounter, Tankstellen und Sport- und Parkierungsflächen an. Durch die zunehmende Rolle des Verkehrs im öffentlichen Raum verlieren die Identität stiftenden Platz- und Straßenräume erheblich an Aufenthaltsqualität. Wohnerweiterungsflächen wurden unsensibel außerhalb der Kernstadt ausgewiesen und stören Stadtbild, Siedlungsstruktur und beeinträchtigen durch ihren Flächenverbrauch erheblich die einmalige Kulturlandschaft. Im Innenbereich steht dieser unkontrollierten Außenentwicklung ein zunehmender Leerstand gegenüber. Durch die Vernachlässigung und teilweisen Abbruch der vorhandene Bausubstanz entstanden zahlreiche Brachen und
Parkierungsflächen. Damit einher geht ein zunehmender Funktionsverlust der Innenstadt.
Diese Entwicklung wird verstärkt durch die Abwanderung speziell der jüngeren Bevölkerung bedingt durch die chronische Strukturschwäche des gesamten Mittelrheintals. Weitere negative Entwicklungsfaktoren sind die hohe Lärmbelastung durch die Bahntrassen sowie die unbefriedigenden Rheinquerungen und dadurch erschwerte Anschluss an das überörtliche Autobahn- und Schnellverkehrsnetz.

Anlass zur Projektstudie

Durch für die städtische Entwicklung notwendige, jedoch untypische und unmaßstäbliche Stadterweiterungen, bauliche Einzelmaßnahmen, Umgestaltung und verkehrliche Anpassung wurden insbesondere in den 1960-er-Jahren und den folgenden Dekaden sowohl der Kernbereich der Stadt, öffentliche Räume und Außenbereiche überformt. Diese Störungen und Fehlentwicklungen, bis hin zu empfindlichen Beeinträchtigungen der städtebaulichen Identität, beruhen häufig auf Unkenntnis und verloren gegangenem Bewusstsein für die prägenden historische Entwicklungsprinzipien und Maßstäblichkeiten, sowie die gewachsenen, regionaltypischen Bauformen. Den Wohnerweiterungsflächen, die in der Vergangenheit mit hohem
Erschließungsaufwand und Landschaftsverbrauch außerhalb der historischen Stadt ausgewiesen wurden, stehen zunehmende Leerstände im Innen- und Kernbereich gegenüber. Zudem beeinträchtigt die unmaßstäbliche ortsuntypische und stark in den Landschaftsraum eingreifende Siedlungserweiterung das Potential der einmaligen Kulturlandschaft.

Ziel der Projektstudie

Die Projektstudie setzt sich mit der nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung der Stadt Oberwesel in ihrer Funktion als Wohnstandort auseinander. Ziel der Studie ist es, die nachhaltige Wohnungsbau- und Wohnflächenentwicklung der Stadt Oberwesel aufzuzeigen und insbesondere die Innenentwicklung des Wohnstandortes Oberwesel unter Einbeziehung der stadthistorischen und ortstypischen Bauformen zu stärken. Die Planungsstudie, die in einen Masterplan mit Empfehlungen zur künftigen Wohnentwicklung mündet, setzt Fragestellungen der Innenentwicklung in einen sozialräumlichen und stadträumlichen, stadt- und bauhistorischen Kontext und untersucht Schwerpunktgebiete in exemplarischen Fallstudien.
Besondere Beachtung wird der Bewertung und gesamtplanerischen Integration von Flächenpotenzialen zugemessen, die aufgrund der Leerstandsproblematik stellvertretend für Anpassung, Entwicklung und strukturelle Aufwertung an die Erfordernisse aus demographischem und sozialem Wandel stehen und beispielhaft für die zukunftsfähige Entwicklung von Siedlungen, Wohnquartieren und Wohnungsbaubeständen im Mittelrheintal sein soll. Bei den Antworten auf veränderte typologische und funktionelle Anforderungen an Wohnen sollen angemessene Gestaltungsleitbilder im Einklang mit den historischen Strukturen und ortstypischen Bauformen entwickelt werden. Es ist davon auszugehen, dass spezifische Wohnprojekte zur sozialen Stabilisierung verschiedener Quartiere beitragen werden und das Entstehen und Erweitern von Nachbarschaften aus diesen Entwicklungen folgen kann.
Die Projektstudie versteht sich im Einklang mit den Zielen der Lokalen Aktionsgruppe, die mit den Handlungsfeldern „Stärkung der regionalen Identität, die Sicherung des Lebens- und Erholungsraumes sowie den Erhalt und die Entwicklung der raumprägenden Kulturlandschaft“ für die Studie wichtige Projektziele formuliert.

Auswertung und Übertragbarkeit

Pilotstudie zur integrierten Wohnbestandsentwicklung

Die Projektstudie soll Wirkungsabschätzungen integrierter Lösungen und Bestimmen der Übertragbarkeit von wesentlichen Planungs- und Projektfaktoren für den gesamten Raum Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal aufzeigen.

Planungsschritte

Die Bearbeitung des Jahresprojektes im Modul M 100 Projekt gliedert sich in
zwei inhaltliche Abschnitte:

WS 2011/12 Analyse

  • Sozialräumliche Erhebung
  • Stadträumliche Analyse

SS 2012  Planung

  • Masterplan
  • Wohnbestandsentwicklung
  • Vertiefungsplanung

In diese Projektarbeit werden die Lehrinhalte weiterer Module integriert und zu einer Gesamtaussage geführt werden. Der Planungsablauf gliedert sich in folgende Bearbeitungsschritte:

Methodik:Übersicht
im WS 2011/12: Bestandsaufnahme und Analysen

  • Sozialräumliche Analyse
  • Stadträumliche Analyse
  • Erhebungen und (Aus)Wertung
  • Zielformulierung
  • Handlungsfelder
  • Zielplanung, Szenarien

Im SS 2012: Planung in Masterplan und Vertiefungsentwürfen

  • Masterplan: gesamtplanerischer Rahmen für die städtebauliche und architektonische Entwicklung
    Definieren von spezifischen Wohnungsbauthemen
  • Fallstudien: vertiefende Planung von Schwerpunkten
  • Workshop: übergeordnete Planungsfragen in Vergleichsstudien
  • Bestandsaufnahme – Detaillierte Bestandsaufnahme der Bestandssituation sowie der Rahmenbedingungen.
  • Umfassende sozialräumliche Erhebungen unter Einbeziehung von Plan- und Datenmaterial, Statistiken, ggf. angewandter Empirie Analyse, Auswertung Sozialräumliche Analyse
  • Stärken-Schwächen-Analyse (SWOT-Analyse)
  • Erarbeiten von Grobkriterien und einer Methodik zur Beurteilung von Wohnungsbaupotentialen und Beständen

Zielformulierung

  • Handlungsziele, Handlungsfelder

Die Fragestellungen umfassen dabei das gesamte Spektrum von der Anpassung des Wohnungsbestandes, dem Umbau und Instandhaltung im bewohnten Bestand, Fragen der Partizipation bis Redevelopment, der Umgang mit insolventen Immobilien, Leerständen und Rückbau

Szenarien

Die aus diesen Handlungsfeldern resultierenden Planungszenarien können ein Spektrum von Sanierung, Umbau, Zubau, Rückbau bis zum (Ersatz) Neubau bzw. der Neuentwicklung aufweisen.

Planung

Für diese verschiedenen Szenarien werden planerische Lösungen entwickelt und in Fallstudien vertieft.

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