Kulturlandschaft Lesen Lernen

Von Britta Schack

Mainz bewirbt sich um den Titel „Stadt der Wissenschaft 2011“ und ist mit zwei Mitbewerbern in der engeren Wahl. Das IproD unterstützt das Projekt mit dem Schul- und Museumsprogramm „Kulturlandschaft Lesen Lernen – Die Stadt“.

Zielsetzung
Langfristiges Ziel ist es, für alle Schulen in und um Mainz ein Programm zur Sensibilisierung der nachwachsenden Generation für die unterschiedlichen Aspekte der Stadtentwicklung und der Kulturlandschaft zu entwickeln und zu erproben. Aus einem vom Kultusministerium geförderten Projekt existiert hierfür bereits ein Programm, das bisher einen einmaligen Durchlauf erlebt hat. Die hierfür erstellte Broschüre und Arbeitsblätter sollen nun die Grundlage für die Weiterentwicklung des Programms bilden. Sie müssen für eine Veröffentlichung aufgearbeitet, zum Teil textlich verändert und auf Bildrechte überprüft werden. Vorstellbar wäre eine Veröffentlichung mit dem Pädagogischen Zentrum, das ein grundsätzliches Interesse bekundet hat. Eine endgültige Entscheidung des Zentrums zugunsten des Projekts steht noch aus.

Durchführung

Bei diesem Projekt wird das Wissen mit Hilfe verschiedener Medien (Internetrecherche, Filme, Vorträge) erarbeitet und vermittelt. Praktische, analytische und gestalterische Übungen ergänzen dieses Arbeitsphasen spielerisch in ausgewählten Bereichen des Landesmuseums, bei drei Stadtrundgängen in verschiedenen Bereichen der Stadt und dem Besuch der Zitadelle.

Im Verlauf des Projekts werden die vielfältigen möglichen Arbeitsfelder von Architekten deutlich: Stadtplanung, Denkmalpflege, Entwurf und Sanierung von Gebäuden (neu und im Bestand) und die Gestaltung von Freiflächen.

Projektplan:

Die Stadt – Stadtentwicklung und städtebauliche Konzepte am Beispiel von Mainz

1.       Topographie des Mainzer Beckens

2.       Die Stadt in der Antike – vom römischen Legionslager an der Rheingrenze zur
Hauptstadt der Provinz Germania Superior

3.       Die Stadt im Mittelalter – Mainz als Bischofsstadt und mittelalterliches Zentrum

4.       Die Stadt im Barock – Mainz als Residenz- und Festungsstadt

5.       Die Stadt um das 19. Jh. – Mainz auf dem Weg zur Großstadt

6.      Die Stadt in der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart – Wiederaufbau in Mainz

Zu 1: Zur Einführung analysieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die topographischen Gegebenheiten von Mainz anhand eines Höhenmodells, das auch selbst von den Schülern gebaut werden kann: Kulturlandschaft Lesen Lernen.

Vermittelt und geübt wird: Feinmotorik, Modellbau, Prall- und Gleithang, vom zweidimensionalen zum dreidimensionalen Modell, Maßstab, Dreisatz,…

Zu 2: Der Teilaspekt „Die Stadt in der Antike – vom römischen Legionslager an der Rheingrenze zur Hauptstadt der Provinz Germania Superior“ erklärt das Siedlungsverhalten.

Vermittelt und geübt wird: Römische Lebensweise, antike Messgeräte, Aquädukt und Bogenbau

Zu 3: Der Themenbereich „Die Stadt im Mittelalter – Mainz als Bischofsstadt und mittelalterliches Zentrum“ befasst sich mit der Gestalt der Stadt, der Bauweise sakraler und profaner Bauten und Wohnformen.

Vermittelt und geübt wird: Weltbild, Denken und Alltag der Menschen im Mittelalter, der Machtanspruch der Kirchenfürsten, Erstarkung der Bürgerschaft, Mainz als eines der Zentren des deutschen Reiches , Sterben und Tod, Trennung von Staat und Kirche, Rechte und Pflichten der Bürger einer mittelalterlichen Stadt,  die Gerichts- und Steuerprivilegien in der Bronzetür des Williges am  Mainzer Dom, Warenumschlag, Geld und Marktrecht, die Frau im Mittelalter , Christliches Gedankengut, Juden, Profan- und Sakralbauten im Mittelalter. Ein Vertiefung im Bereich Chemie (Glasmalerei und Zersetzung durch Regen), Chemie/ Physik (Steinkonservierung an Kirchen, Glockengießerei), Kunstunterricht( Buchdruck, Buchmalerei) sind denkbar.

Zu 4: Der Block „Die Stadt im Barock – Mainz als Residenz- und Festungsstadt“ erinnert an die durch die Franzosen zerstörte barocke Gartenanlage in Mainz, die Funktion der Stadt als strategischer Verteidigungsstandort gegen das im Westen liegende Frankreich und die dazugehörigen Verteidigungsanlagen.

Vermittelt und geübt wird: Sebastian Le Prestre, Seigneur Vauban, Wozu benötigt man Grenzfestungen, Zitadelle als ökologischer Lebensraum,Was bedeutet der Erhalt und die Erschließung historischer Parkanlagen für viele Menschen, die Stadt, die Region,  Barocke Stadtgründungen, Das Leben des Adels im Barock, Der Barockgarten

Zu 5: „Die Stadt um das 19. Jh. – Mainz auf dem Weg zur Großstadt“ befasst sich mit der Stadterweiterung nach der Niederlegung der Festungsanlagen und den Entwürfen des Stadtbaumeister Kreyßig für das Gartenfeld respektive der heutigen „Neustadt“. Die verschiedenen Plätze der Neustadt werden analysiert.

Vermittelt und geübt wird: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Land-Stadt-Wanderung, gesellschaftliche Ordnung und Klasseneinteilung, Warum gehören heute die Quartiere aus der 2. Hälfte des 19. Jh. zu den beliebtesten Wohngegenden? Wie entstehen Milieus?, Carl Zuckmayer, Denkmalzonen, Bauweisen um die Jahrhundertwende, Aufenthaltsqualitäten auf Plätzen und Gestaltung, Wertesystem der Politik , Rollenspiel verschiedener Interessensvertreter.

Zu 6: „Die Stadt in der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart – Wiederaufbau in Mainz“ zeigt das Bild des zu 80% zerstörten Mainz, die städtebaulichen Vorstellungen der französischen Besatzungsmacht für den Wiederaufbau und das, was letztendlich realisiert wurde. Der Tag beginnt im Sitzungssaal des Mainzer Rathauses, das Gebäude  wird besichtigt und Mitarbeiter äußern sich zur Aufenthaltsqualität im Inneren.

Vermittelt und geübt wird: Bauliche Charakteristika von Altstädten, Leitbilder des Städtebaus  in verschiedenen Epochen der Nachkriegszeit, Originalgetreue und freie Rekonstruktion, Sanierung, Wiederaufbau alter Substanz an neuen Orten, erhaltende Stadterneuerung und  Zurückgewinnung öffentlicher Räume, Interviewtechniken, ungeliebte Denkmale: Erhalten oder Abreißen?

Abschließend schlagen wir einen Bogen von der Römerzeit bis zur Gegenwart, in dem wir die verschiedenen Schichtungen in Mainz sichtbar machen.

Präsentation:

Die erarbeiteten Ergebnisse werden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter Anleitung aufbereitet und in einer kompakten Abschlussveranstaltung präsentiert.

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